Armin Briatta Fotografie und Webdesign Darmstadt

Axel ist gestorben.

Foto: Axel Thieme vor seinen Arbeiten

Axel Thieme 2012, Aufnahme: Ute Döring

Drei Wörter reichen, wenn man sagen möchte, dass ein Mensch nicht mehr lebt. Wieviele braucht man, wenn man von ihm erzählen und ihm dabei gerecht werden möchte?

Fast sechs Wochen ist es her, dass Axel Thieme keine Kraft mehr hatte, gegen seine Krankheit zu kämpfen. Noch im Sommer hatten wir daran nicht gedacht, als Roland Held bei mir saß und wir darüber sprachen, was wir auf Wikipedia über den Darmstädter Galeristen und Maler formulieren sollten.

Und dann ging es auf einmal ganz schnell. Dabei sollte ich ihm doch irgendwann noch eine Pizza vom San Remo mitbringen, wo er früher gerne saß. Hingehen konnte er schon länger nicht mehr.

Kennengelernt hatte ich ihn Anfang 1990 über eine Freundin – in seiner Galerie in der Eberstädter Mühltalstraße durfte ich ausgestellte Arbeiten für einen Katalog fotografieren. Er war gesellig und viel unterwegs, manchmal ein wenig rastlos, stets auf der Suche nach neuen Künstlern und voller Ideen. Bei vielen Projekten zog er die Fäden. Wenn er während dieser Zeit selbst malte, benutzte er Pseudonyme. Später zog er seine Galerie um, irgendwann lief diese schlechter und schloss. Ich verlor ihn aus den Augen.

Gemälde Apostelfels II von Axel Thieme

Apostelfels II aus der Serie Submarine Gärten von Axel Thieme, Öl, Leinwand 60 cm × 90 cm

Jahre später trafen wir uns zufällig im Da Carlo am Luisenplatz. Er schien verändert, ruhiger geworden. Und er hatte wieder begonnen, als Axel Thieme zu malen. Wunderbare Arbeiten entstanden. Im Sommer 2014 entschloss er sich endlich, seine Bilder auch online zu präsentieren: gemeinsam mit Saeideh gestaltete ich seine Website.

Später kamen Fotografien hinzu: eine sehr schöne Serie mit stark reduzierten Farben, aufgenommen am Darmstädter Oberfeld.

Kleine Gedenkausstellung am Wochenende

Am Wochenende (13. und 14. November 2021) wird es eine kleine Gedenkausstellung für Axel Thieme geben, im Rahmen eines Marktes im Künstlerhaus Ziegelhütte, eingerichtet von Liane Palesch und Erwin Koch vom Künstlerhaus-Team. Brigitte, Axels Frau, hat dafür ein paar Arbeiten bereit gestellt. Geöffnet ist jeweils von 11 bis 18 Uhr. Leider gilt die 2G-Regel, ich werde mir seine Bilder also ein andermal anschauen müssen – ohne Kaffee und Kuchen.

Fin

Wir haben uns nicht oft gesehen. Doch an die paar Male erinnere ich mich gut. Nicht nur den Espresso werde ich vermissen, den er mir anbot, wenn wir bei ihm zu Hause etwas besprachen oder die Musik, die er mochte und gerne auflegte.

Nun ist er gegangen. Seine Bilder hat er hiergelassen. Lieber Axel, ruhe in Frieden!

Axel Thieme: Foto Oberfeld

Axel Thieme: Aus der Serie Oberfeld, C-Print Acryl/Dibond, 30 cm × 45 cm

zu Axel Thiemes Website

 

 

 

Kommentare

ute krafft sagt:

so schön und gefühlvoll geschrieben

Ute Döring sagt:

Lieber Armin, das hast du wirklich sehr berührend geschrieben!
Auch ich war mit ihm über die Arbeit verbunden. 2004 waren wir gemeinsam auf dem Künstlerpleinair in Mirabel und später durfte ich seine Arbeiten dokumentieren und traf ihn dafür im Atelier oder bei oben beschriebenem Espresso.

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