So sieht Rot in Berlin aus. Im Januar. Fassade des GSW-Hochhauses, zufällig entdeckt beim Laufen durch die Rudi-Dutschke-Straße und mit dem Smartphone eingefangen.
So sieht Rot in Berlin aus. Im Januar. Fassade des GSW-Hochhauses, zufällig entdeckt beim Laufen durch die Rudi-Dutschke-Straße und mit dem Smartphone eingefangen.
Oft ist der Weg nicht sofort zu erkennen, den wir gehen werden. Das muss nicht spannend sein, kann es aber. Ich wünsche allen ein Schönes Neues Jahr – Mut, Kraft und Ideen für 2017!
Es gibt Tage, die sind Geschenke. Das Licht der Dezembersonne, die Farben des Mooses oder der Farne, welche der Reif auch gegen Mittag noch bedeckt, die langen Schatten der Bäume: Da taugt selbst das Smartphone zum Fotografieren.

Madeira 1997
Fotos können Augenblicke fangen: Auf Papier konserviert tragen wir sie nach Hause, hängen sie an Wände oder packen sie in Kartons. Digital verstecken wir sie auf Festplatten. Oder auf Facebook.
Die gesammelten Augenblicke bewahren Ausschnitte aus Raum und Zeit – kleine, in Rechtecke gefasste Zitate.
Zuweilen öffnet ein halb verblichener Abzug ein kleines Fenster in die Vergangenheit. Oder in eine ferne Welt. Er wirkt dann ähnlich dem Fernrohr, mit welchem der Sehnsüchtige ins All schaut.
Manch ein Zitat bewegt oder fesselt uns. Und mit etwas Glück erzählt es uns die Geschichte, die wir ihm schenken.
„But every once in a while
Someone’s passin’ by you just can’t get of your mind
Someone passin’ by
Gives you that precious little grain
That makes you feel real
And keeps you out of the rain“Herman Brood 1978 in Let’s get lost
„Wer kann sagen, wann ein Jahr beginnt: Der Kalender, der stets das gleiche Datum vorschreibt? Die Vögel, die früher als letztes Jahr aus Afrika zurückkommen? Die Schafe, wenn sich die Herbststürme legen oder wenn sie geschoren werden?
Vielleicht ist es der erste Sonnenstrahl nach dem langen Juliregen, der einen Anfang setzt. Den Äpfeln ist es gleich.“
Armin Briatta

Theräs 1984 in Kreuzberg
„Nachdem sie mir in der Mauerstadt dreimal über den Weg gelaufen war mit ihren großen, traurigen Augen, getraute ich mich endlich, sie um ein Treffen zu bitten.
Zwölf Stunden später öffnete sie mir die Tür, etwas müde und vielleicht auch verlegen, aber strahlend.“
So beginnt die Erzählung einer kurzen Begegnung im trüben Februar 1984:
Im heißen Sommer 1986 druckte ich in der Fachhochschule Darmstadt. Bleisatz. Herr Puttnies hatte mir gezeigt, worauf es beim Schreiben ankommt, Herr Herd, wie man Farben mischt und die Maschinen bedient.
Abends belichtete ich Dias auf Cibachrome im Badezimmer der WG.
So entstand Grüne Augen – die Geschichte von zwölf schönen Mädchen: Zwölf bedruckte Blätter Büttenpapier, illustriert von je einem farbigen Portrait, das Ganze eingelegt in eine Leinenkassette. Auflage: zwölf Stück.
Waren es Yvonnes Augen, die ich im Sinn hatte? Ich weiß es nicht mehr:
Manche Erinnerung ist verblasst wie die an den Kuss der Marie A. in Bert Brechts Gedicht. Die Farben der Cibachromes jedoch leuchten wie vor über 30 Jahren – und ein paar der nummerierten Kassetten sind noch zu haben.