Armin Briatta Fotografie und Webdesign Darmstadt

Christoph

Foto: Christoph Hess, fotografiert von Regine Bechtold

Christoph Hess 2024, Aufnahme: Regine Bechtold

Im Frühjahr wollten wir uns noch einmal bei Karl treffen – im El Quinto Vino. Bei Surekha im Riwwelmaddes. Oder auch bei Sakis im Eberstädter Haus der Vereine.

Nun ist es zu spät.

Im Juni fandest Du deine letzte Ruhe auf dem Naturfriedhof in Traisa.

Gerne hätte ich Dir nach der Trauerfeier erzählt, wie viele Menschen gekommen waren, um friedlich Abschied zu nehmen an diesem heißen Tag. Wie fein Oliver Jaeger die Gitarre spielte, dein alter Freund aus der Viktoriaschule, dessen Spiel du dir für diesen Tag gewünscht hattest. Wie geweint wurde. Und auch zart gelacht, als wir uns beim Kaffee erinnerten. Manchmal dachte ich, Du hörtest uns heimlich zu – vielleicht hättest Du Dich amüsiert mit Deinem ganz eigenen Humor.

Wir hatten zusammen studiert, in den Achtzigern an der Fachhochschule auf der Mathildenhöhe. Fotodesign. Du fotografiertest anders als ich: stets genau, sehr sorgfältig und mit einer Geduld, die ich bis heute nicht habe.

Diese Geduld verließ Dich auch nicht, wenn Du anderen halfst: ob Du für eine Freundin die Kaffeemühle für den perfekten Espresso einstellen durftest oder mir meinen Monitor kalibriertest. Oder mir erklärtest, warum die Fuji für mich die geeignete Kamera sei.

Manchmal hatte ich geglaubt, dass Du auch Deinen Krebs mit dieser Akribie schlagen könntest. Ich hatte es Dir gewünscht.

Es bleiben Bilder:

Wie wir in Les Bœuvres Oskar gefunden hatten, den zwei Tage alten Kater. Ihn aufpeppelten, zusammen mit Ines aus Zürich. Ihn dann im Auto mit nach Hause nahmen, Du am Steuer, ich daneben mit dem kleinen Viech auf dem Bauch, den es mir vollpinkelte.

Foto: Christoph Hess fotografiert in Les Bœuvres, 1999
Der prüfende Blick: Christoph in Les Bœuvres 1999, fotografiert von mir

Wie wir es im selben Urlaub beide nicht in die erste Liga der Doppelkopfspieler schafften.

Wie wir uns dort abends unter den Tisch lachten, wenn Susi aus Düsseldorf ihren nächsten Witz nur ankündigte (»Einen noch … Trafen sich zwei Mannis in der Straßenbahn …«)

Wie wir auf dem Filmfest im Braunshardter Tännchen Wetten abschlossen, wie oft die unsichere Moderatorin ihr »äh genau« einbauen würde.

Lieber Christoph, wir waren nicht immer einer Meinung. Warum auch? Weißt du noch, als wir uns im Biergarten getroffen haben, obwohl ich nicht geimpft war (für dich ein No-Go)? Oder fast aneinander geraten waren wegen einer Frau? Später konnten wir darüber lachen.

Christoph, Du warst ein Guter. Und nun bist du woanders.

Vielleicht gehe ich nachher zu Karl auf zwei Vinho Verde. Oder soll ich für Dich einen Rioja bestellen?

 

Kommentare

Annette sagt:

So schöne Erinnerungen von dir an einen lieben Freund 🫶

Danke Armin,
für diesen schönen Nachruf, der Christoph in der Erinnerung nochmal aufleben lässt. In jeder kleinen Episode erkenne ich ihn wieder. Meinen besten Freund, Christoph.

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